FAQ Heilpraktiker

Was macht ein Heilpraktiker?

Was macht ein Heilpraktiker?

Heilpraktiker

 

Gibt es den Homöopathen? Was ist und macht ein Heilpraktiker?

Wenn sich Patienten in die Behandlung von Heilpraktikern begeben, so herrscht oftmals Unkenntnis über die Fähigkeiten, die Ausbildung und wenig allgemeines Wissen über den Berufstand. Viele Patienten nehmen an, dass es eine abgeschlossene Berufsausbildung zum Heilpraktiker gibt, die mit dem Erlernen und Ausüben von einheitlichen naturheilkundlichen Methoden verknüpft ist.

Die Realität sieht anders aus. Die Bezeichnung Heilpraktiker darf tragen, wer eine amtsärztliche Überprüfung durch die staatlichen Gesundheitsämter besteht, durch die festgestellt wurde, dass der Anwärter ˝keine Gefahr für die Volksgesundheit“ darstellt. Antrag und Erlaubniserteilung laufen über das Landratsamt oder die Stadtverwaltung.

Kenntnisse und Praxiserfahrung in der Naturheilkunde und naturheilkundlichen Methoden der Behandlung und Diagnose sind in der schriftlichen (Multiple Choice) und mündlichen (durch Amtsarzt und Heilpraktiker) Prüfung nicht von essentieller Bedeutung, sondern grundlegendste medizinische Kenntnisse über den Organismus des Menschen, Risiken und die eigenen behandlerischen Grenzen. Die Heilpraktiker-Ausbildung ist bislang nicht staatlich geregelt und der Besuch einer Heilpraktikerschule ist keine zwingende Voraussetzung zur Prüfungszulassung. Es gibt dennoch bestimmte Voraussetzungen, um für die Prüfung zugelassen zu werden: So muss man das 25. Lebensjahr vollendet haben, mindestens einen Hauptschulabschluss besitzen, ein polizeiliches Führungszeugnis ohne schwerwiegende Einträge haben, sowie ohne schwere körperliche Gebrechen sein.

Die meisten Heilpraktiker lassen sich wohl in „Schulen für Naturheilkunde“ ausbilden, lernen allgemeine Grundlagen sowie die Vielfalt an Verfahren kennen und vertiefen dann nach Interesse und Veranlagung ihre Kenntnisse in fachspezifischen Ausbildungen, z.B. Homöopathie oder TCM. Andersherum gibt es auch diejenigen Therapeuten, die für die Ausübung eines bereits erlernten Verfahrens, z.B. der Osteopathie, über die amtsärztliche Überprüfung zum Heilpraktiker eine Zulassung zur Ausübung dieser Methode erhalten. Es besteht darüber hinaus eine ständige Weiterbildungspflicht für Heilpraktiker, die inzwischen von einigen Verbänden auch zertifiziert wird.

Den Beruf des Homöopathen oder Osteopathen gibt es in Deutschland (noch) nicht. Als Berufstand gibt es den Arzt oder den Heilpraktiker, der die Homöopathie, Osteopathie, TCM ausübt, es existiert kein eigener Berufstand für die einzelnen Verfahren in Deutschland.

Neben Ärzten und Psychotherapeuten ist die selbständige Ausübung der Heilkunde nur den Heilpraktikern erlaubt. Die Berufsgrundlage für die Heilpraktiker bietet das "Heilpraktiker-Gesetz" (Gesetz über die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung) aus dem Jahr 1939.

Mit einer privaten Voll- oder Zusatzkrankenversicherung sowie bei Anspruch auf Beihilfe kann sich der Patient nach der Gebührenordnung für Heilpraktiker (GebüH) bestimmte Behandlungsmethoden zu festgelegten Gebühren erstatten lassen. Nach einer aktuellen Hochrechnung der GebüH- und Gutachterkommission wichtiger Heilpraktikerverbände belaufen sich die Erstattungen durch die PKV und Beihilfe jährlich auf 180 Millionen Euro.( in: Der Heilpraktiker & Volksheilkunde 12/2009, S.36)

 

 

Heilpraktiker mit Vollzulassung dürfen körperliche und seelische Leiden feststellen und eine eigene Therapie auch mit körperlichen Behandlungen durchführen. Sie wenden für Diagnose und Therapie häufig Methoden der Naturheilkunde oder der Alternativmedizin an. Verschreibungspflichtige Medikamente und Betäubungsmittel dürfen sie nicht verordnen.

Generell kann jeder Heilpraktiker diejenigen Verfahren ausüben, die er beherrscht (Therapiefreiheit). Dies können sowohl schulmedizinische als auch naturheilkundliche oder sog. ganzheitliche Verfahren sein. Phantasiebezeichnungen sind nach HWG § 11 Abs. 6 nicht möglich. Häufig führen Heilpraktiker mit Vollzulassung Zusatzbezeichnungen wie:

mit dem Schwerpunkt (nicht Einschränkung gemeint) auf Psychotherapie auch:

Der Patient bezahlt in der Regel die Rechnung für seine Behandlung selbst, bis auf die teilweise Erstattung bestimmter Heilverfahren durch einige GKV und eine größere Anzahl von PKV. Das Behandlungsverhältnis regelt sich demnach auch nicht nach der GOÄ.

Nicht tätig werden dürfen Heilpraktiker bei meldepflichtigen Krankheiten, der Zahnmedizin, der Strahlentherapie und der Leichenschau sowie in der Geburtshilfe. Nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) dürfen Heilpraktiker keine Geschlechtskrankheiten behandeln. Davon ausgenommen sind Krankheiten der primären Geschlechtsorgane sofern diese nicht sexuell übertragbar sind. Hierzu zählen beispielsweise Menstruationsbeschwerden, Prostatahyperplasie, Ovarialzysten oder Endometriose. Von Heilpraktikern entnommene Blutproben dürfen laut Strafprozessrecht nicht vor Gericht verwendet werden.

Tierheilpraktiker benötigen keine Genehmigung, so dass hier keinerlei Mindestanforderungen eingehalten werden müssen.

Kritik

Kritiker bemerken, dass von Heilpraktikern häufig als sanft bezeichnete Maßnahmen, deren Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist, vor medizinisch wirksamen Therapien bevorzugt würden.

Es wird vorgeworfen, dass Heilpraktiker untaugliche Methoden verwendeten, wie beispielsweise Pendel, Irisdiagnostik, Kinesiologie und Homöopathie. Sie setzten unkonventionelle Methoden, wie etwa die anthroposophische Medizin, nicht nur begleitend zu konventionellen Verfahren ein und klärten über deren Risiken nicht auf oder beendeten solche Maßnahmen nicht, wenn diese keinen Erfolg zeigten oder sich die Erkrankung verschlimmerte und sendeten den Patienten auch dann nicht zu einem Arzt.

Im Einzelfall wird kritisiert, dass eine wirksame Behandlung erst nach einer deutlichen Krankheitsverschlimmerung angewendet werde. Diese Kritik treffe auf seriöse Heilpraktiker nicht zu.[8][9] In einem Testbericht von 2006 in Ökotest, in dem sich ein Proband mit einem tatsächlich vorliegenden Krankheitsbild bei 20 zufällig ausgewählten Heilpraktikern vorstellte und behandeln ließ, schnitten diese sehr unterschiedlich ab. Vier Heilpraktiker stufte der Tester als gut ein, die Behandlung von fünf Therapeuten beurteilte er als gefährlich. Andere hätten sorgfältig bei der Befunderhebung und Diagnosestellung gearbeitet, „allerdings eher zweifelhafte Therapien vorschlagen“, die nicht geschadet, aber auch nicht geholfen hätten.[10] Die Stiftung Warentest kommt in ihrer Zeitschrift „test“ 2008 im Rahmen einer Stichprobe bei 40 Heilpraktikern zu einem insgesamt positiven Testergebnis über die Arbeit. „Bewertet wurden der Service und die Vorabinformation, die Anamnese, die Diagnostik, die Informationen zur Therapie und die Gesprächsatmosphäre“ im Rahmen eines Erstgespräches.[11]

Heilpraktiker unterliegen keiner strafrechtlichen Verschwiegenheitspflicht, da der Beruf keine staatlich geregelte Ausbildung erfordert.[12]

Abrechnung

Die Tätigkeit des Heilpraktikers basiert auf einem im BGB geregelten Dienstvertrag mit dem Patienten, der laut §145 BGB nicht an eine Form gebunden ist und sogar ohne ausdrückliche Vereinbarung durch schlüssiges Handeln zustande kommen kann. Der Heilpraktiker schließt hierbei mit dem Patienten einen Dienstvertrag gem. §§ 611–630 BGB, welcher ihn zur Leistung der versprochenen Dienste (Bemühen um Heilung oder Linderung einer Krankheit im gegenseitigen Einverständnis) und den Patienten zur Bezahlung einer Vergütung verpflichtet.

Nach § 611 BGB ist die Höhe der Vergütung der freien Vereinbarung zwischen Heilpraktiker und Patient überlassen. Wenn beim Zustandekommen des Behandlungsvertrages über eine Vergütung nicht gesprochen wurde, so gilt nach § 612 BGB das GebüH als vereinbart. Das von den Heilpraktikerverbänden herausgegebene Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker (GebüH, auch GebüH85) gibt für die meisten Positionen Anhaltswerte für die Abrechnung mit dem Patienten vor. Das GebüH wurde 1985 herausgegeben und seitdem nicht mehr aktualisiert. Dies hat zur Folge, dass eine Abrechnung nach GebüH für die meisten Heilpraktiker nicht mehr wirtschaftlich sein kann. Um eine Wirtschaftlichkeit zu erreichen, werden die Höchstsätze des GebüH mit Hinweis im Behandlungsvertrag überschritten oder analog nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet. Der Honorarrahmen stellt allerdings keine Aussage darüber dar, in welchem Umfange Leistungen von Krankenversicherungsträgern letztlich übernommen werden. Die Behandlungskosten für Heilpraktiker sind bei Beamten in der Regel beihilfefähig und werden ansonsten von privaten Krankenversicherungen übernommen, sofern der abgeschlossene Tarif das vorsieht. Seit einigen Jahren besteht für gesetzlich krankenversicherte Klienten die Möglichkeit, über private Zusatzversicherungen eine Kostenerstattung von Heilpraktikerleistungen zu versichern, so wie es für Zahnersatz und andere Sonderleistungen üblich ist. Seit Anfang 2005 bieten fast alle gesetzlichen Krankenversicherungen entsprechende Zusatzversicherungen an, die über private Versicherungspartner abgewickelt werden. Infolge der Gesundheitsreform von 2003 dürfen die Kosten für nicht verschreibungspflichtige Medikamente, von einigen Ausnahmen abgesehen, generell nicht mehr von den Krankenkassen übernommen werden - damit auch die meisten Arzneien der Phytotherapie (Pflanzentherapie) und der Homöopathie.

Die Höhe der üblichen Vergütung resultiert ansonsten aus den Bestimmungen der Leistung nach billigem Ermessen (siehe § 315 BGB). Wichtig hierbei ist, dass die Gewährung der Vergütung (ebenso wie bei allen anderen Dienstverträgen und Arztbehandlungen) nicht von einem Heilerfolg abhängig ist. Es besteht jedoch für den Heilpraktiker die Verpflichtung zu einer gewissenhaften Behandlung unter Beachtung seiner Aufklärungs- und Sorgfaltspflicht.

 


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